Kemet 4/2009

 

Schweinekeulung –
endgültiges Aus für die Wertstoffsammler von Kairo?


Unter der Bezeichnung „Zabbalin“, abgeleitet vom arabischen Wort „zibala“, d.h. „Müll“, wurden sie auch bei uns bekannt, die Müllsammler von Kairo. Diejenigen, die wirklich den Müll der Haushalte sammeln, bezeichnen sich allerdings selbst als „zarrabin“, was sich vom Arabischen „zariba“, d.h. „Viehpferch“, herleitet. Die ägyptischen Müllsammler sind nämlich nicht nur Müllsammler, sondern sie waren bis in die jüngste Vergangenheit auch Halter von Tieren – meist von Schweinen, die ihnen etwa die Hälfte ihrer Einnahmen brachten.

Die Frauen der Müllsammler hatten einst die wichtige Aufgabe der Trennung des Biomülls, der als Schweinefutter diente, von den übrigen Wertstoffen. Nach der Keulung der Schweine durch den Staat im Mai 2009 klagen die Frauen heute, dass ihnen ihre Haupteinnahmequelle genommen wurde und dass sie ohne Arbeit sind, weil kein Biomüll mehr gebraucht wird.

Ihnen wurde jüngst ein herber Schlag versetzt, durch den ihre wirtschaftliche Basis vermutlich endgültig zerstört wurde. Unmittelbar nach dem Auftreten der fälschlicherweise als „Schweinegrippe“ bezeichneten neuen Grippe mit dem Erreger H1N1 in Amerika beschloss das ägyptische Parlament, alle Schweine im Lande zu töten. Die Aktion wurde auf brutalste Weise im Mai 2009 durchgeführt, als ca. 400.000 Schweine, die sich meist im Besitz der überwiegend koptischen Müllsammler von Kairo befanden, auf Bulldozer geladen und in der Wüste lebendig in Gruben geworfen und mit Kalk und Industrieabfällen überschüttet wurden. Die Tiere gingen qualvoll zugrunde. Die von einigen Aktivisten angefertigten Horrorvideos der aufgedunsenen Leiber der sterbenden Schweine (s. www.youtube.com/watch?v=nOWengNNMK4, www.youtube.com/watch?v=LYB4sDKh3FI&NR=1&feature=fvwp, www.youtube.com/watch?v=jwMIlw7rCSc ) riefen Proteste von Tierschützern aus aller Welt hervor. Für diejenigen, deren wirtschaftliche Basis die Tiere waren, engagierte sich kaum jemand.
Wenn man verstehen will, was die Aktion für die Müllsammler von Kairo bedeutete, muss man deren Arbeitsweise kennen.

Das traditionelle System der Kairoer Müllsammler

Bis zur Tötung der Schweine funktionierte mehr oder weniger das traditionelle System der Müllentsorgung und der Wertstoffgewinnung in Kairo. Bis Mitte der 1950er Jahre sammelten aus den Oasen Zugewanderte, die „wahiya“ („die aus den Oasen“), den Müll in der ägyptischen Hauptstadt, der damals überwiegend aus Gemüseabfällen und Papier bestand. Sie verkauften ihn teils frisch an die Beduinen als Futter für ihre Tiere, teils getrocknet als Brennstoff an die Besitzer der türkischen Bäder und Töpfereien sowie an die ful-Verkäufer. Diese Müllsammler der ersten Generation wurden teilweise wohlhabend. Mit ihrem zunehmenden Einfluss verlegten sie sich darauf, die Rechte des Müllsammelns in den verschiedenen Stadtgebieten zu verwalten und bezogen daraus ihre Einnahmen. Der Strom der Migranten, die aus Not aus Oberägypten entflohen und in Kairo keine andere Arbeit fanden als das Müllsammeln, riss nicht ab. Die Neuankömmlinge errichteten auf den Müllplätzen selbst ihre Hütten und hielten Ziegen, Hühner und Schweine, an die sie die gesammelten Gemüseabfälle so frisch wie möglich verfütterten. Sie erhielten von den Haushalten, die sie vom Müll befreiten, keine Bezahlung. Ihr Lohn war ausschließlich der gesammelte Müll, aus dem sie neben den Gemüseabfällen Wertstoffe wie Glas, Papier, Metall usw. aussortierten und verkauften. Etwa 50% ihres Einkommens brachte diesen „zarrabin“ ihre Schweinehaltung.

Die traditionellen Müllsammler unter dem Druck der Globalisierung

Seit Ende des 20. Jh.s gerieten die traditionellen Müllsammler mehr und mehr unter Druck. Zunächst verbot man ihnen, die Straßen der Hauptstadt mit ihren Eselskarren zu befahren, mit denen sie den Müll der Haushalte abtransportierten, nachdem sie ihn in großen Körben in mühevoller Arbeit von den Wohnungstüren der städtischen Häuser eingesammelt hatten. Manche Müllsammler taten sich nun zusammen und mieteten oder kauften Kleinlastwagen für ihre Arbeit. Andere benutzten weiterhin unerlaubt die Karren und waren damit der Willkür der Polizei ausgesetzt, die immer wieder ihre Wagen konfiszierte und die Esel tötete.
Ein weitaus schwererer Schlag wurde den Müllsammlern jedoch im Jahre 2002 versetzt, als die Stadtverwaltung die Müllentsorgung größtenteils an einige ausländische Firmen übergab und das Müllsammeln der traditionellen Müllwerker als illegal erklärt wurde. Die neuen Gesellschaften stellten vor den Häusern Container auf, in welche die städtische Gesellschaft selbst ihren Müll entsorgen sollte. Die Gebühr hierfür wird seitdem zusammen mit der Stromrechnung kassiert, obwohl man feststellte, dass dies gesetzeswidrig ist. Das neue System machte die traditionellen Müllsammler für eine Zeitlang nahezu arbeitslos, bis man erkannte, dass es nicht funktioniert. Die Praxis, die sich daraufhin entwickelte, sah so aus: Einerseits „entwendeten“ die Müllsammler bzw. ihre nicht strafmündigen Kinder den Müll aus den Containern, andererseits trafen sie mit den Bewohnern vieler Häuser Abmachungen, dass sie die Abfälle wieder von den Wohnungstüren abholen durften. Die städtischen Bewohner sind nämlich nicht geneigt, die lästige und unangenehme Arbeit selbst zu verrichten und zahlen lieber doppelt. Einige ehemalige Müllsammlerbosse sowie pensionierte höhere Polizeibeamte gründeten kleine lokale Gesellschaften und schlossen mit den ausländischen Gesellschaften und der Stadtverwaltung Kooperationsverträge. Sie beschäftigten in geringerem Umfang zarrabin in der Müllentsorgung und kassierten sowohl Gelder von den ausländischen Gesellschaften als auch von den städtischen Bewohnern, deren Müll sie beseitigten.
Die heillos überforderten ausländischen Gesellschaften deponieren den größten Teil des Mülls unsortiert in El-Qattamiya unweit Kairo in der Wüste, auf einer Entwicklungsachse mit der rasch expandierenden Hauptstadt. Nur eine Handvoll Arbeiter sortiert dort den Müll an Fließbändern. Wichtige Wertstoffe gehen unwiederbringlich verloren bzw. belasten die Umwelt.
Hatten die zarrabin zunächst unter den mafiösen Strukturen der wahiya bzw. der einflussreicheren zabbalin gelitten, so wurde durch die Einsetzung der ausländischen Gesellschaften ihre Existenz ernsthaft bedroht. Die Tatsache, dass die traditionellen Müllsammler überleben konnten, verdanken sie einzig der Tatsache, dass sie sich als überaus flexibel und anpassungsfähig erwiesen, so dass es ihnen gelang – wenn auch mit deutlichen Einschränkungen ihrer Arbeit und mit finanziellen Einbußen –, trotz dieses Globalisierungsschlags weiter zu existieren.

Die Situation nach der Tötung der Schweine

Seit der Tötung aller Schweine in Ägypten im April/Mai 2009 ist die Situation der zarrabin jedoch noch verheerender. Mehr als die Hälfte des Festmülls, den ägyptische Haushalte in Kairo produzieren, besteht aus Biomüll, der bis dahin die Basis des Lebensunterhalts der meisten Müllsammler darstellte. Da diese nunmehr keine Schweine mehr besitzen, möchten sie ihn auch nicht einsammeln. Große Teile dieses Biomülls landen jetzt auf den Straßen der Hauptstadt, so dass die ägyptischen Medien bereits darüber berichteten (s.u.). Sehen sich die Müllsammler gezwungen, ihn von den Haushalten einzusammeln, so müssen sie ihn mit Lastwagen abtransportieren lassen und dafür bezahlen, wenn sie ihn nicht illegalerweise in die ständig überquellenden Müllcontainer auf den Straßen Kairos werfen, neben denen sich Anfang September 2009 allerorts Berge von Biomüll auftürmten.
Zu diesem Zeitpunkt hatten wir Gelegenheit, eine Reihe von Interviews mit Müllsammlern durchzuführen und Sozialarbeiter der koptischen Hilfsorganisation ECRED zu begleiten, die in der Müllsammlersiedlung von Ezbet En-Nakhl am nördlichen Stadtrand von Kairo tätig sind. Angesichts der Vielzahl der Hilfesuchenden standen sie allerdings der Not der Menschen meist rat- und hilflos gegenüber.
Um einen Eindruck von der aktuellen Situation zu vermitteln, möchten wir hier über eine Familie berichten, die bislang ihren Lebensunterhalt durch das Wertstoffsammeln decken konnte, nun aber um ihre Existenz bangt (alle Namen sind geändert).

Seit der Tötung der Schweine wegen der vermeintlichen Gefahr einer Verbreitung der H1N1- Grippe durch sie sammelt dieser Müllsammler keinen Hausmüll mehr. Er hat sich auf Pappe und Plastik spezialisiert, die er hoch auf seinem Karren aufgetürmt zu den Recyclingbetrieben transportiert, die diese Wertstoffe dringend benötigen.

Die Situation der Familie von Um Michael:

(Interview vom 5.9.09 durch Fouad Ibrahim in der Müllsammlersiedlung von Ezbet En-Nawwar bei Ezbet En-Nakhl am Stadtrand von Kairo)
Seit der Tötung der Schweine wegen der vermeintlichen Gefahr einer Verbreitung der H1N1- Grippe durch sie sammelt dieser Müllsammler keinen Hausmüll mehr. Er hat sich auf Pappe und Plastik spezialisiert, die er hoch auf seinem Karren aufgetürmt zu den Recyclingbetrieben transportiert, die diese Wertstoffe dringend benötigen
Um Michael ist 45 Jahre alt und verwitwet. Sie wurde in Asyut geboren, lebt aber seit ca. 30 Jahren in Kairo, wo sie mit ihrem verstorbenen Mann von Anfang an im Müllgeschäft tätig war. Zu ihrer Familie gehören 15 Personen:
– ihre Tochter Martha (27 J.), hat keine Schule besucht, verh., 4 Kinder; der Ehemann ist Invalide und arbeitet nicht,
– ihr Sohn Michael (24 J.), hat keine Schule besucht, seine Frau starb vor einem Jahr bei der Geburt des ersten Kindes,
– ihre Tochter Therese (22 J.), hat keine Schule besucht, verheiratet mit Jakob, 3 Kinder,
– ihr Sohn Abanob (18 J.), hat keine Schule besucht,
– ihre Tochter Maria (16 J.), hat keine Schule besucht.
F. I.: Wie viele Schweine hatten Sie früher, Um Michael?
Um M.: Als man im Mai kam, um unsere Schweine zu töten, hatten wir 70 Schweine. Sie waren der wichtigste Teil unseres Geschäftes, sie waren unser Leben. Als die Regierung unsere Schweine tötete, verloren wir unsere Arbeit. Wir haben alle bitterlich geweint.
F. I.: Welche Bedeutung hatte die Schweinehaltung für Ihre Familie?
Um M.: Wir verkauften im Jahr Schweine für etwa 5.000 Pfund (ca. 650 €). Das machte gut die Hälfte unseres Einkommens aus. Immer wenn wir Geld brauchten, weil z.B. jemand aus der Familie krank war oder so, verkauften wir ein Schwein. Die Sauen sind ja sehr fruchtbar und vermehren sich rasch.
F. I.: Haben Sie eine Entschädigung für die getöteten Schweine bekommen?
Um M.: Ja, das haben wir. Wir bekamen 10.000 Pfund (ca. 1300 €). Aber die Schweine waren mindestens dreimal soviel wert.
F. I.: Was haben Sie mit dem Geld gemacht?
Um M.: Wir haben zuerst mal Schulden zurückbezahlt. Dann mussten wir den Boden abtragen lassen, auf dem die Schweine gehalten wurden. Der Boden musste mit Lastwagen abtransportiert werden. Dafür mussten wir bezahlen. Wir haben dann acht Schafe gekauft, weil wir dachten, wir könnten sie anstelle der Schweine halten. Aber die Schafe wurden gleich krank. Nach zwei Monaten waren sie alle gestorben. Und unser Geld war auch weg. Was noch übrig war von dem Geld, das die Regierung uns gab, haben wir für Lebensmittel ausgegeben. Wir können ja jetzt nicht mehr wie früher Müll sammeln und verdienen kaum noch etwas.
F. I.: Haben Sie sich nicht gegen das Töten Ihrer Schweine gewehrt?
Um M.: Ich bin doch nur eine arme Frau. Ich konnte nichts tun. Nicht mal die großen Schweinezüchter konnten sich wehren, obwohl die Schweine ganz gesund waren.
F. I.: Wie läuft Ihr Geschäft jetzt, da sie keine Schweine mehr haben?
Um M.: Sehr schlecht. Was sollen wir denn mit dem Müll machen, den unsere Männer von den Haushalten abholen? Das meiste können wir ja gar nicht mehr gebrauchen. Das war doch das Futter für unsere Schweine. Früher kamen die Männer und brachten uns den eingesammelten Müll. Wir Frauen warteten schon auf sie und begannen zusammen mit den Mädchen, den Müll zu sortieren. Und die Schweine kamen und fraßen die frischen Gemüseabfälle. Und nicht selten fanden wir auch mal ein wertvolles Schmuckstück im Müll oder einen schönen Löffel oder ein Messer oder sogar einen Geldschein. Das kam alles vor. Sie können es sich sicher gar nicht vorstellen, was wir da so alles gefunden haben. Damit ist es nun aus. Wenn meine Söhne Müll mitbringen, den wir nicht wieder verkaufen können, dann müssen wir ihn auch noch abtransportieren lassen. Letzten Monat haben wir allein dafür 100 Pfund (ca.13 €) bezahlt.
So sieht die Wirtschaft der Familie heute nach Um Michaels Beschreibung aus: Ihr Sohn Michael sammelt zusammen mit ihrem Schwiegersohn Jakob mit dem Eselskarren von einigen Haushalten weiterhin den Müll. Das Geld, das die Haushalte für die Müllentsorgung bezahlen, kassiert ein Chef, der einen Vertrag mit einer italienischen Müllentsorgungsgesellschaft hat. Michael und Jakob bekommen nur den Müll. Sie durchsuchen ihn auf ihrem Karren rasch nach Wertstoffen. Alles, was früher die Schweine fraßen, sowie Wertloses werfen sie gleich in einen der Müllcontainer, die heute auf den meisten Straßen stehen. Wertstoffe wie Papier, Plastik und Metalle bringen sie in die zariba.
Ihr Sohn Abanob ist ein „zabbal sarrih“, ein Straßenmüllsammler geworden – eine neue Erscheinung in Kairo. Er durchstreift die Straßen mit einem großen Sack auf dem Rücken und sucht nach Wertstoffen, die er am Straßenrand oder in den Müllcontainern findet. Wenn sein Sack voll ist, lässt er ihn bei einem Bekannten stehen, bis Michael und Jakob mit ihrem Karren vorbeikommen und ihn abholen. Am Vortag unseres Interviews war Abanob erwischt worden, als er verbotenerweise Müll aus einem Container holte. Er entging einer Bestrafung, weil er 10 Pfund (1,30 €) Bakschisch zahlte. Das war doppelt soviel wie der Wert des Mülls, den er an dem Tag einsammelte.
Ihre Tochter Maria handelt jetzt mit Plastikflaschen: Sie kauft den verschiedenen Müllsammlern in ihrer Umgebung einzelne Flaschen ab. Wenn sie einen ganzen Sack davon voll hat, verkauft sie sie mit einem kleinen Gewinn an die Plastikrecyclingbetriebe. Alle Frauen des Haushalts sortieren gemeinsam die Wertstoffe, die von den Männern gebracht werden. Michael und Jakob sorgen für den Verkauf an die Händler bzw. an die kleinen Recyclingbetriebe vor Ort. Aber an manchen Tagen gibt es keine Arbeit für sie, weil die Männer kaum Müll gefunden haben.
Um Michael beklagt, dass sie ebenso wie die anderen Frauen des Haushalts nicht mehr so viel zum Familieneinkommen beitragen kann. Sie waren früher vielbeschäftigt durch ihre Müllsortierung. Jetzt fehlt ihnen oft die Arbeit – und, was noch wichtiger ist, die Möglichkeit, finanzielle Engpässe durch den Verkauf eines Schweins zu überwinden. Nachdem die Armut unter den Müllsammlern drastisch zugenommen hat, werden die Kinder vielfach gedrängt, auf eigene Faust loszugehen, um die Müllcontainer auf den Straßen nach Wertstoffen zu durchsuchen. Insbesondere die Jungen können gut in die Behälter klettern und laufen flink davon, wenn die Polizei auftaucht. Die Entwicklung macht alle Bestrebungen der Entwicklungshilfeorganisationen zum Empowerment der Frauen und zur Reduzierung der Kinderarbeit zunichte.

Späte Erkennnis

„Man nutzte die Gelegenheit der Gefahr der Schweinegrippe, um Tausende von Schweinen zu keulen …. Und heute, wenige Monate später, stellen wir fest, dass die Schweine viel barmherziger waren als der jetzige Zustand auf unseren Straßen, wo die Müllberge sich häufen. Diejenigen, die die Schweine voreilig vernichteten, haben nicht die Rolle studiert, die sie für die Sauberhaltung unseres geliebten Ägypten spielten.“ (Salah Montasser, Die Schweine waren barmherziger. Al-Ahram, 3. September 2009, S. 11)
Am 7.9.2009 setzte Staatspräsident Mubarak den zuständigen Ministern und Gouverneuren ein Ultimatum, binnen einer Woche das Problem der Müllberge auf den Straßen zu lösen. Daraufhin erschienen die Zuständigen erstmalig auf den Straßen, um die eingeleiteten Aktionen selbst zu beaufsichtigen. Wie eine unabhängige Tageszeitung berichtete, wurden dabei allerdings die Abfälle lediglich von den vornehmen Stadtvierteln, z.B. in Giza, in die einige Kilometer entfernt gelegenen Armenviertel umgelagert. (Quelle: www.almasry-alyoum.com/article2.aspx?ArticleID=226061)

Prof. Dr. Fouad Ibrahim, Universität Bayreuth
Barbara Ibrahim, Bayreuth

 

Hilfe für die Müllsammler von Kairo durch Verbesserung ihrer Plastikrecyclingbetriebe
Wer braucht Hilfe und warum?

Ca. 7.000 Menschen leben in Ezbet En-Nawwar, einer der Müllsammlersiedlungen Groß-Kairos. Sie sammeln täglich etwa 700 t Festmüll im Nordosten der Stadt, sortieren die darin enthaltenen Wertstoffe und verkaufen bzw. recyceln sie größtenteils auch. Die Lebensgrundlage dieser Menschen wurde zerstört, als im April 2009 die ägyptische Regierung beschloss, alle Schweine im Lande zu töten. Die Schweinehaltung in Ägypten wurde bis dahin fast ausschließlich von den meist koptischen Müllsammlern betrieben, die als Futter den gesammelten Biomüll verwendeten. Allein aus ihrer Recyclingtätigkeit erwirtschafteten sie etwa die Hälfte ihres Einkommens. Nachdem die ca. 40.000 Schweine der Müllsammler von Ezbet En-Nawwar getötet wurden, müssen die Menschen jetzt nach neuen Möglichkeiten suchen, ihren Unterhalt zu sichern.

Die Verbesserung ihres Plastikrecyclings bietet sich hier als besonders sinnvolle Möglichkeit an. Hierdurch könnte ihre Wettbewerbsfähigkeit gegenüber den größeren Recyclingbetrieben im Lande verbessert und die Zahl der Arbeitsplätze erhöht werden. Zurzeit gibt es in Ezbet En-Nawwar 50 Plastikrecyclingbetriebe in der Hand von Müllsammlern mit ca. 240 Beschäftigten. Sie weisen jedoch technische Mängel auf und sind dringend verbesserungsbedürftig.

Was soll erreicht werden?

· effizientere Gestaltung der Recyclingvorgänge
· Verbesserung der Qualität der erzeugten Plastikgranulate
· Schaffung zusätzlicher Arbeitsplätze
· Verbesserung der Sicherheit am Arbeitsplatz
· Reduzierung der Umweltbelastung durch die Betriebe

Das Recyceln von Plastik ist für Ägypten von großer Bedeutung. Die zahlreichen Plastikfabriken im Lande benötigen dringend Plastikgranulat. Obwohl im Lande selbst jährlich etwa 1 Mio. t Plastikmüll anfallen, importiert Ägypten unter Einsatz von Devisen Plastikgranulat aus dem Ausland, wo das Recyclingverfahren bereits fortentwickelt wurde.

Was kostet die Hilfe?

Durchschnittlich 2000 € pro Betrieb, wenn die Eigentümer ein Drittel der Kosten selbst tragen.
Monatlich 200 € für Projektkoordination und Ausbildung eines Vermarktungsfachmanns während der Durchführung der Maßnahmen.

Wie vielen Betrieben soll geholfen werden?

Richtet sich nach der Höhe der erhaltenen finanziellen Unterstützung (max. 50).
Weitere Infos:
fouadnibrahim@aol.com; www.afrikafreundeskreis.de

Spenden erbeten an (auch kleine Spenden sind herzlich willkommen!):
Afrika-Freundeskreis e.V. Stichwort: „Müllsammler Kairo Plastikrecycling“
Bankverbindung: Kto-Nr. 570 005 801; BLZ 773 501 10; Sparkasse Bayreuth,
IBAN: DE34773501100570005801 SWIFT-/BIC-Code BYLADEM1SBT

Auf Wunsch werden Spendenquittungen ausgestellt.