Kemet 1/2001

Fese – ein alter Hut?

Der Fes oder Fez war in Ägypten bis vor kurzem noch eine weit verbreitete Kopfbedeckung. Heute sieht man dagegen Fes-Träger nur noch selten. Und wenn, dann sind es in der Regel religiöse Würdenträger oder Schulkinder. 
Der Fes war eine vor allem bei den Türken gebräuchliche Kopfbedeckung, die sowohl Männer als auch Frauen trugen.
Benannt ist er nach der marokkanischen Stadt Fes, woher diese Kopfbedeckung auch ursprünglich kam. In Ägypten wird er „tarbush“ genannt.
Der Fes ist meistens von roter Farbe, bei Frauen auch blau, und hat in der Regel eine Pyramiden- oder Zylinderform. Oft besitzen die roten eine blaue Quaste (Abb. 1), diese kann bei aufwendigeren Exemplaren aber auch silbern oder golden sein.

Abb. 1: Moderne Fese

Heute kann man selbst in unseren Breiten, z.B. zu Karneval, billige Fese kaufen. Die sind dann aber Massenprodukte und bestehen meist gar nicht mehr aus Filz, aus dem die „echten“ Exemplare hergestellt werden.

Abb. 2: Würdenträger mit Fes (tarbush). Er trägt den typischen Herren-Fes.

Filz, in der Regel geschichtete und miteinander verwirkte Schafswolle, kam zunächst aus Tunis, später dann aus Deutschland, Böhmen, Mähren und auch aus der Schweiz. Heute produziert Ägypten „seinen eigenen Filz“. Das Material wird in mehreren, z.T. recht aufwendigen Arbeitsprozessen gefärbt, geschoren und schließlich durch Dämpfen und Pressen in die Form – hier den Fes – gebracht. Der „Filzhut“ besitzt zudem eine stabile Stroheinlage aus Dattelfaser, die ihm den gewünschten Halt gibt.

Abb. 3: Kaffeehausszene in Istanbul, historische Postkarte

In der Türkei wurde der Fes nach 1826 für die Armee und Staatsbeamte Pflicht. Niemand, der Würdenträger in jenen Tagen war, konnte sich in der Öffentlichkeit ohne seinen Fes blicken lassen (Abb. 3). Polizisten trugen beispielsweise einen schwarzen Fes, an dem eine rote Quaste baumelte. Der Fes löste als Würdezeichen den Turban ab. Mit den Türken fand er auch in Ägypten Einzug und hielt sich hier bis in die 50er Jahre des 20. Jh.s: In vielen alten ägyptischen Filmen dieser Zeit kann man den Fes noch als ganz selbstverständlich getragen sehen. Erst durch die Revolution von Nasser verlor der Fes seine Bedeutung. Seither verschwand er mehr und mehr aus dem öffentlichen Leben.
Heute kann man eigentlich nur noch islamische Würdenträger sehen, die den Fes tragen. Schüler in den Koranschulen tragen ebenfalls noch diese nützliche, schweißaufsaugende Kopfbedeckung (Abb. 4).

Abb. 4: Koranschüler

In Alt-Kairo gibt es noch den Betrieb von Ahmed Muhammed, der Fese herstellt. Gab es einst hier fast zwanzig Betriebe, so ist er der letzte, der dieses Handwerk ausübt. Eigentlich läuft man leicht an seinem Geschäft vorbei, denn die Auslagen fallen erst bei genauerem Hinsehen auf. (Nur durch einen Ortskundigen war es zu finden.) Früher muss das ganz anders gewesen sein, seine Verkaufsstände reichten angeblich bis weit in die Straße. Direkt an der Straße stehen immer noch die gusseisernen Formen, die jederzeit einsatzbereit sind und auf Kundschaft warten ...
Die Herstellung von einem Fes ist Handarbeit: Jedes Stück wird für seinen Träger individuell gefertigt. Das heißt, die Maße werden direkt vom Kunden genommen. Doch geht es in dem Geschäft eher beschaulich zu, denn nur wenige verirren sich hierhin oder tragen gar noch den traditionellen Filz: das sind vor allem Geistliche aus den Moscheen oder der nahen Universität. Fese sind so heute auch gleichzeitig ein Symbol des Islam.

Abb. 5: A. Mohammeds Geschäft in Kairo

Es gibt sie in ganz unterschiedlichen Qualitäten. Die einfacheren kosten etwa 20 ägyptische Pfund, das sind etwas mehr als 10 DM. Eine Investition, die sich lohnt, denn ein guter Fes kann durchaus ein Jahr und länger täglich getragen werden.
Trotzdem verschwindet er mehr und mehr aus dem täglichen Leben. Vielleicht sind die immer stärker werdenden westlichen Einflüsse dafür mit verantwortlich. In Kairo, so scheint es jedenfalls, findet man Fes-Träger ebenso selten wie Statuen von Würdenträgern vergangener Zeiten, deren Kopf ein Fes ziert.

Dr. Detlef Hopp, Bochum