Kemet 1/2008

 

Zahi Hawass – ein Porträt

Einer der renommiertesten und prominentesten Ägyptologen der Gegenwart ist zweifellos der Generalsekretär der ägyptischen Altertümerbehörde, des Supreme Council of Antiquities (SCA), Dr. Zahi Hawass, der damit den bedeutendsten Posten auf dem Gebiet der ägyptischen Archäologie bekleidet; denn er trägt die höchste Verantwortung für den Erhalt, die Pflege und Repräsentation nicht nur der gesamten Hinterlassenschaft der Alten Ägypter, sondern auch der darauffolgenden Epochen, eine Aufgabe, die er mit Energie und Ausdauer meistert, und wobei ihn neben einer unerlässlichen wissenschaftlichen Sachkenntnis auch seine dynamische Persönlichkeit, sein medienwirksames Auftreten und nicht zuletzt seine Liebe zum Alten Ägypten zugute kommen.

Zahi Hawass in seinem Büro im SCA

Hawass wurde am 28. Mai 1947 in Damietta geboren. Nach dem Abitur studierte er zunächst griechische und römische Archäologie in Alexandria und schloss mit dem Bachelor ab. Anschließend absolvierte er an der Kairo Universität das Studium der Ägyptologie und erwarb 1980 das Diplom. Danach erhielt er ein Fulbright-Stipendium, das es ihm ermöglichte, an der Universität von Pennsylvania in Philadelphia, USA, ein Aufbaustudium in Ägyptologie und syrisch-palästinensischer Archäologie zu beginnen, das er 1983 mit dem M.A. abschloss. 1987 promovierte er zum Ph.D.

Hawass mit seinem berühmten Hut auf dem Giza-Plateau

Danach lehrte er zunächst Archäologie, Geschichte und Kultur an der American University in Kairo und an der University of California in Los Angeles.
Zudem war Hawass von 1969 an als Antiken-Inspektor zahlreicher archäologischen Stätten tätig, bis er 1998 zum Staatsuntersekretär der archäologischen Stätte von Giza ernannt wurde. 2002 gipfelte seine Berufskarriere in der Ernennung zum Generalsekretär des SCA.
Seit Zahi Hawass das SCA leitet, weht dort ein frischer Wind. Die Behörde ist straff durchorganisiert, jeder Mitarbeiter hat einen klar definierten Aufgabenbereich und alle Abläufe funktionieren reibungslos. Hawass hält das Szepter fest in der Hand und regiert sein „Reich“ konsequent und mit klar definierten Regeln – Regeln im Umgang mit den Altertümern, die für die ägyptologische Fachwelt und die interessierte Öffentlichkeit nicht immer bequem sind, die aber dem Wohl sowohl des Alten als auch des modernen Ägypten dienen.
Ein besonderes Anliegen ist es Hawass, auch die Ägypter selbst und insbesondere die Jugend stärker als bisher für ihre kulturellen Wurzeln zu interessieren, sich ihres bedeutsamen Erbes bewusst zu werden und die eigene Vergangenheit aufzuwerten, wozu pädagogische Programme in Schulen und Museen beitragen sollen.

Hawass bei einer Ausgrabung

Während seiner gesamten Laufbahn und auch jetzt noch neben seiner zeitaufwendigen Tätigkeit als Leiter des SCA ist Hawass weiterhin der praktischen archäologischen Arbeit treu gebleiben und steht u.a. Grabungen in Giza, Saqqara und der Oase Baharija vor.
Im Laufe seiner archäologischen Arbeit entdeckte er den Friedhof der Pyramidenarbeiter in Giza, das von ihm so benannte „Tal der goldenen Mumien“ in Baharija, die Satellitenpyramide des Chufu in Giza, das Grab des Hofarztes Qar und die Unterbauten der sog. Kopflosen Pyramide in Saqqara. In El-Bawiti in der Oase Baharija legten Hawass und sein Team die Grabanlage des Gouverneurs Djed-Chonsu-iuf-anch und seiner Familie frei.

Untersuchung einer Mumie mit modernster Technologie (CT)

Im Rahmen der Erhaltung und des Schutzes der ägyptischen Altertümer leitete Hawass das Projekt zur Restaurierung und Erhaltung des Sphinx von Giza und entwickelte Konzepte für die Umgestaltung und Erhaltung zahlreicher bedeutender archäologischer Stätten wie der Tempel von Kom Ombo, Edfu, Dendera, des unvollendeten Obelisken und der Westbank von Theben in Oberägypten sowie für die unterägyptischen Stätten Giza und Saqqara.
Mit Hawass haben hochentwickelte Methoden und Techniken der Archäologie und moderne Ausstellungskonzepte in Ägypten Einzug gehalten. So entstehen unter seiner Planung viele neue Museen im Land (das größte Projekt darunter ist das Grandmuseum in Giza), und unter seiner Regie wurden 2005 die Mumie Tut-anch-Amuns zur Feststellung der Todesursache und 2007 mehrere Mumien im Kairo Museum zur Identifizierung der Königin Hatschepsut mit modernsten Methoden der Archäologie untersucht. Dies alles geschieht jedoch nicht im archäologischen Elfenbeinturm, sondern wird publikumsfreundlich inszeniert.
Durch intensive Öffentlichkeitsarbeit, Vorträge, Fernsehauftritte in Dokumentarsendungen in den USA, Europa und Japan und nicht zuletzt durch seine ebenso lebendige wie humorvolle Redeweise, mit der ihm immer ein aufmerksames Auditorium sicher ist, sowie zahlreiche Buchveröffentlichungen gelang es Zahi Hawass, das Interesse der Weltöffentlichkeit in einem noch höheren Maße auf das Alte Ägypten zu lenken. 2006 wurde er mit einem „Emmy“ der Academy of Television Arts and Sciences ausgezeichnet.

Hawass bei der Umbettung der Mumie Tut-anch-Amuns in einen Glassarg

Zu Hawass’ Publikationen, die sich an ein breites Publikum wenden und in denen sich Verständlichkeit und wissenschaftlicher Anspruch die Waage halten, gehören Silent Images: Women in Ancient Egypt, Hidden Treasures of Ancient Egypt, Secrets from the Sand, The Golden Age of Tutankhamun, Royal Tombs of Thebes: Gateway to Eternity, The Great Book of Egypt: the Realm of the Pharaohs, History of the Pyramid Builders, History of Stones oder The Valley of the Golden Mummies, das ein Bestseller wurde, dazu kommen zahlreiche Veröffentlichungen in Fachzeitschriften.
Während seiner Laufbahn wurde er wiederholt mit Medienpreisen und wissenschaftlichen Ehrungen ausgezeichnet, wie der Ehrendoktorwürde der American University in Kairo. Zuletzt wurde er 2006 vom Time Magazine als eine der 100 einflussreichsten Persönlichkeiten des Jahres 2005 gewählt und erhielt in demselben Jahr den Paestum Archaeology Award beim Ninth Mediterranean Exchange für Archaeological Tourism in Italien, und er wurde ins „Who is Who in America“ und „Who’s Who in Science and Engineering“ aufgenommen, um nur einige wenige der zahlreichen Auszeichnungen und Würdigungen zu nennen.
Möglicherweise wird Dr. Zahi Hawass wie seine ehrwürdigen altägyptischen Vorfahren Unsterblichkeit erlangen, denn er ist eine der Persönlichkeiten, deren Name auf der CD für die Mars-Expedition Rover 2003 verzeichnet wurde.

Gabriele Höber-Kamel, Germanistin, Berlin

(Bis auf das erste stammen alle Bilder aus der Sammlung Hawass’)