aus dem Inhalt von Ausgabe 3/98

Pyramidenmystik

Von der Antike (Herodot) über das Mittelalter bis zur heutigen Zeit, in der insbesondere die Pyramidenbauwerke mit Phantastereien und kommerziell motivierten Thesen überschüttet werden, sprießen ungeachtet der wissenschaftlichen Forschung immer neue krankhafte Ideen.

Geheime Kammern und Gänge

Altes Reich (2685-218O v.Chr.)

Im Alten Reich wurden keine geheimen Gangsysteme oder versteckten Grabkammern in den Pyramiden geplant und errichtet. Mit größter Wahrscheinlichkeit trieben im Alten Reich keine Grabräuber im Pyramidenbereich ihr Unwesen, und somit war die Notwendigkeit zur Anlage von Geheimgängen nicht gegeben, was sich später im Mittleren Reich änderte. So kann man wohl annehmen, daß die Verriegelungsblöcke und Fallsteine nur zur Abschirmung der bösen Geister gedacht waren. Dies hatte zur Folge, daß jegliche Gänge, die der Kult nicht benötigte, verschlossen wurden. So wurden die kleinsten Gänge, wie z.B. der südliche und wahrscheinlich auch der nördliche untere Seelengang der Cheops-Pyramide mit einer Größe von 20x20 cm, mit einem Verschlußstein versehen. Auch die unter der Pyramide liegende Felsengrotte wurde abgemauert, um das Eindringen der bösen Geister aus dieser Kammer zu vermeiden.

Im Alten Reich war es unvorstellbar, daß die Pyramide als Jenseitspalast des Pharaos geplündert werden könnte. Das Bauwerk war nicht Erinnerungsstätte, sondern diente einzig dazu, das Fortleben des Königs zu gewährleisten, um seine aus dem Jenseits wirkenden Kräfte zum Segen des Volkes nutzbar zu machen. Somit waren die Pyramide und der Pyramidenbezirk religiös notwendig, um den Fortbestand des Volkes zu sichern und Katastrophen abzuwenden. Der Pharao war Gott und Bindeglied zwischen Erde und Himmel, der Garant dafür, daß sich die Schöpfung immer wieder erneuert. In der Vorstellung der damaligen Menschen bedeutete das: Die Sonne kehrt jeden Morgen aus dem Totenreich zurück, und die Nilüberschwemmung setzt alljährlich zur bestimmten Zeit wieder ein. Es sei erwähnt, daß damals das Naturereignis der Nilüberschwemmung nie richtig gedeutet wurde. Es bestand die Vorstellung, daß sich das Land ins Wasser senkt und sich die fruchtbare Erde als Nährboden des Lebens wieder aus dem Wasser heraushebt.

Mittleres Reich (2060-1785 v.Chr.)

Zwischen dem Alten und dem Mittleren Reich liegt die 1. Zwischenzeit. Erst in dieser 120jährigen chaotischen und mit Bürgerkriegen verbundenen Zeit sind die Pyramiden wahrscheinlich vom Volk ausgeraubt worden.

Nach den Wirren und der Uneinigkeit erfolgte die zweite Reichseinigung, wobei der Pharao mit seinen Untertanen zu einer Staatseinheit, dem Mittleren Reich, zusammenwuchs. Die chaotische Zeit, die Ägypten zum ersten Mal kennenlernte, führte dazu, daß sich im Mittleren Reich nicht nur manche Kultgegenstände und Grabbeigaben veränderten, sondern bei einigen Pyramiden auch das Kammer- und Gangsystem.

Sesostris II. - Illahun

So versetzte Sesostris II. in Illahun den bisher traditionell auf der Nordseite liegenden Pyramideneingang auf die Südseite. Weiterhin verlegte er den Eingang außerhalb der Pyramide in eine Prinzessinnen-Mastaba, und zwar unterhalb der Fußbodenplatten. Eine weitere Irreführung sollte die aus der Mitte versetzte Grabkammeranordnung bringen. Hier kann man zum ersten Mal in der Geschichte des Pyramidenbaus von versteckten Kammern und einem geheimen Eingang sprechen. Sesostris II. war sich so sicher, daß niemand den Eingang finden würde, daß er sogar auf Fallsteine und eine Blockierung der Gänge verzichtete. Doch wie alle Pyramiden wurde auch diese geplündert und der Grabbeigaben beraubt.

Sesostris III. - Dahschur

Sesostris III. verlegte wie sein Vater Sesostris II. den Pyramideneingang nach außerhalb, jedoch auf die Westseite. Weiterhin übernahm er die Baukonzeption, die Pyramidenkammern aus der Mitte zu versetzen und auf die Fallsteine sowie auf die Blockierung der Gänge zu verzichten.

Amenemhet III. - Dahschur

Amenemhet III., Sohn und Nachfolger Sesostris III., verlagerte bei seiner Pyramide in Dahschur den Eingang auf die Ostseite, und zwar aus der Pyramidenachse versetzt. Die versteckte Anordnung des Pyramideneingangs genügte den Baumeistern noch nicht, und sie versahen zusätzlich den Gang zur Grabkammer mit einer viermaligen Richtungsänderung, jedoch ohne Fallsteine und Gangblockierungen.

Amenemhet III. - Hauwara

Bei seiner zweiten Pyramide in Hauwara errichtete Amenemhet III. ein kompliziertes Gangsystem. Zum ersten Mal setzte sich der Gang oberhalb der Vorkammerdecke fort und wurde mit einem an der Decke angeordneten Querverriegelungsblock versperrt. Der wie bei der Pyramide in Dahschur viermal seine Richtung ändernde Gang wurde zusätzlich durch Querverriegelungsblöcke gesperrt. Eine weitere Neuerung war die Errichtung des Blindschachtes. Es ist bis heute nicht erforscht, ob es sich hierbei um eine Konstruktionsänderung oder um einen irreführenden Gang handelt.

Amenemhet IV. - Masguna

In Masguna errichtete Amenemhet IV. seine Grabkammer und das Gangsystem nach dem Vorbild der Hauwara-Pyramide seines Vaters Amenemhet III. Mit zweimaligen Deckenblockierungen, Richtungsänderungen des Gangsystems in allen Richtungen und einem Querverriegelungsblock vor der Grabkammer glaubte Amenemhet IV. der Beraubung zu entgehen.

Königin Nofrusobek - Masguna

Die Königin Nofrusobek errichtete in Masguna annähernd das gleiche Gangsystem, wie es zuvor ihr Bruder Amenemhet IV. anlegen ließ. Durch zwei Deckenblockierungen und Richtungsänderungen des Gangsystems sollten die Grabräuber von ihrer schändlichen Tat abgehalten werden. Nur die Konzeption des Verriegelungsblocks vor der Grabkammer wurde nicht übernommen.

2. Zwischenzeit (1785-1551 v.Chr.)

Unbekannter Pharao – Saqqara-Süd

Das imposanteste Kammer-, Gang- und Verriegelungssystem wurde in Saqqara-Süd von einem unbekannten Pharao errichtet. Über Richtungsänderungen des Gangsystems, Scheinkammern und drei Deckenblockierungen erreicht man zwei Grabkammern. Die größere Grabkammer wird mit einem Deckenblock zusätzlich verschlossen. Dieses Verschlußsystem funktioniert mit einer Art Sandhydraulik. Granitpfosten, die auf einem Sandpolster stehen, halten den Deckenbalken hoch. Wenn der Sand entfernt wird, senken sich die Granitpfosten und der Deckenblock, bis die Grabkammer verschlossen ist. Die seitlich angeordnete kleinere Grabkammer wird durch einen Querverriegelungsblock versperrt.

Chendjer - Saqqara Süd

Die letzte Pyramide erbaute der Pharao Chendjer in Saqqara-Süd. Hier wird im kleineren Maßstab das gleiche System angewandt wie bei der unbekannten Pyramide. Richtungsänderung des Ganges, drei Deckenblockierungen und die Absenkung der Sarkophagdecke mit der Technik der Sandhydraulik sollten die Ruhe des Pharaos gewährleisten.

Resümee: Geheime Kammern und Gänge

Nach genauerer Betrachtung der geheimen Kammern und Gangsysteme ist bei vielen Menschen Enttäuschung über die einfache und manchmal simple Anordnung festzustellen. Die Richtungsänderung des Ganges, als Irreführung konzipiert, ist für manche Menschen heute irrational und wird daher mit phantasievollen Thesen erklärt. Je intensiver wir die Erforschung dieser Kultur betreiben, um so mehr wächst bei uns die Erkenntnis, wie schlicht und einfach diese Menschen gedacht haben. Wir sehen in diesen einfachen Baukonzeptionen einen Beweis für diese Denkweise.

Orion-Lektüre

In letzter Zeit wird häufig in Fernsehberichten und Buchneuerscheinungen dieses Thema aufgegriffen. Wir sehen uns deshalb veranlaßt, einige kurze Bemerkungen zu diesen Ausführungen zu machen.

Es wird berichtet, daß die Seelengänge in der Cheops-Pyramide auf bewegte Sternbilder ausgerichtet sind. Dies ist nicht nachvollziehbar, und außerdem fehlen für diese Behauptung jegliche archäologischen Beweise. In diesem Zusammenhang wird aufgeführt, daß der Seelengang in der unteren Grabkammer auf ein Sternbild ausgerichtet sei. Wie die neuesten Untersuchungen zeigten, kann dies nicht möglich sein, da der Seelengang nicht, wie man vermutete, gerade aus der Pyramide hinausführte, sondern abknickt.

Der Sternenhimmel war die Götterwelt für die Ägypter, wobei mit größter Wahrscheinlichkeit zu vermuten ist, daß die Ausrichtung des Pyramidenbauwerks in Zusammenhang mit den Himmelskörpern stand. Aber mit eindeutiger Gewißheit kann man behaupten, daß sie die Himmelsrichtungen nicht gekannt haben, da sie eine Festlegung unserer Zeit sind.

Mit zwei Ausnahmen haben alle Pyramiden Nordschächte bzw. nördlich bezogene Grabkammereingänge. Der Opfertempel steht in Verbindung mit der aufgehenden Sonne (aus dem Totenreich) und der Sarkophag mit der untergehenden Sonne (ins Totenreich). Für die damaligen Menschen gab es nur einen Sternenhimmel, der exakt beobachtet wurde (Jahresberechnung 365 Tage). Aus schriftlichen Zeugnissen der damaligen Zeit geht hervor, daß die Ägypter in penibler Art und Weise über alle ihre Tätigkeiten berichteten, über den Sternenhimmel liegen jedoch nur wenige Schriftstücke vor. Es wird von einer Sternengruppe berichtet, die am nördlichen Himmel stand und sich nicht wie die anderen Sterne bewegte. Diese Gruppe nannte man die "Unvergänglichen". Die Bewegungen der Sterne wurden als Bootsfahrten der Götter am Himmelsfirmament angesehen, so wie die Menschen sich selbst täglich mit ihren Booten auf dem Nil bewegten.

Ferner wird mit Computerprogrammen, die den Sternenhimmel simulieren, jongliert, bis sich eine günstige Übereinstimmung mit den Winkeln oder den Standorten der Bauwerke ergibt. So wird z.B. die Erschaffung des Sphinx nach den Sternen auf das Jahr 10.500 v.Chr. festgelegt. Zu dieser Zeit gab es noch keine Menschen im Niltal, denn die Besiedlung setzte erst um ca. 6000 v.Chr. ein. Außerdem lag der Sphinx zu dieser Zeit unter ca. 20 m Felsgestein begraben und konnte an seinem heutigen Standort nicht geschaffen werden. Der nördliche Kulturbereich (Merimde) ist bis ins Neolithikum des 6. Jahrtausends zurückzuverfolgen.

Es wird der Mehrzahl der Ägyptologen weiter mit pauschalen Behauptungen unterstellt, daß sie der Überzeugung seien, daß das Gesicht des Sphinx mit Chephren identisch sei. Wie kann dies der Wahrheit entsprechen, wenn die Ägyptologen noch nicht einmal wissen, wer ihn errichtet hat?.

Weiterhin wird berichtet, daß die Giza-Pyramiden nach Sternbildern ausgerichtet sind. Die versetzte Pyramidenanordnung war jedoch eine praktische Notwendigkeit, die durch die Lage der Steinbrüche vorgegeben wurde. So errichteten Chephren und Mykerinos ihre Pyramiden so nahe wie möglich an der Westseite des Südsteinbruchs des jeweiligen Vorgängers, um die Transportwege so kurz wie möglich zu halten (s. Fußnote 2).

Resümee: Giza-Steinbrüche

Cheops entnahm dem Steinbruch III ca. 1,2 Mio. m3 Gesteinsblöcke für seine Pyramide sowie ca. 1 Mio. m3 für die anderen Bauwerke. Im Bereich des Sphinx senkte er das Geländeniveau um ca. 10 m. Unserer Meinung nach müßte die tiefste Stelle des Steinbruchs über dem Kopf des Sphinx gelegen haben, wonach Cheops nicht der Schöpfer des Sphinx sein kann. Außerdem ist der Gesteinsblock des Sphinx so aus dem Fels geschlagen, daß das daneben liegende Fundament des Chephren-Aufweges berücksichtigt worden ist. Diese Gesteinsarbeiten konnte nur jemand veranlassen, der die Konzeption des Aufweges kannte, oder sie wurden in späterer Zeit veranlaßt. Das würde bedeuten, daß der Sphinx entweder von Chephren oder Mykerinos geschaffen wurde. Nach der Lage und Ausrichtung des Sphinx zu urteilen, war mit größter Wahrscheinlichkeit Chephren der Erbauer.

Es wird suggeriert, daß die Pharaonen den Kulminationspunkt (höchster Sonnenstand) gekannt und berechnet haben. Daraus haben sie mit der Winkelhalbierenden Norden und Süden festgelegt, womit Mercator nicht der Erfinder der Mercatorprojektion war, sondern die alten Ägypter. Mit einem Schaubild wird eine Person mit einem Stock dargestellt, die den höchsten Sonnenstand feststellt und resultierend daraus die Nordrichtung ermittelt. Wir wären dankbar, wenn uns die Autoren die Person benennen, die dies nur mit einem Stock ausgestattet und ohne Kenntnis der Koordinaten sowie ohne genaue Ortszeit schafft. Bei unserer letzten Exkursion 1997 durch die Libysche Wüste haben fünf Personen über eine Woche versucht, den höchsten Sonnenstand zu schätzen. Nur eine Person wußte durch vorherige Erkundigung, um welche Zeit die Sonne am höchsten stand. Das Ergebnis war, daß keiner den höchsten Sonnenstand richtig ermittelte, wobei die beste Schätzung 15 Minuten zu früh und die schlechteste Schätzung 45 Minuten zu spät erfolgte. Es ist leider nicht der erstaunte Gesichtsausdruck zu beschreiben, als wir einem Dr. Ing. des Maschinenbaus einen Stock in die Hand drückten mit dem Auftrag, die Nordrichtung mit Bezug auf den Sonnenstand zu ermitteln.

Für die alten Ägypter, so wird weiter ausgeführt, hing das Sternbild des Orion (südlicher Himmel) unmittelbar mit Osiris zusammen. Hierauf möchten wir mit den Worten des im September 1996 verstorbenen Dr. I.E.S. Edwards aus Großbritannien antworten:

"Eine fortgeschrittene Auffassung eines glücklichen Lebens nach dem Tode als Lohn für rechte Lebensführung könnte von den Anhängern des Osiriskultes seit frühester Zeit gepflegt worden sein, doch läßt das Fehlen jedweder zeitgenössischer Belege alle Rekonstruktionsversuche ziemlich gewagt erscheinen. Das osirianische Jenseits wurde jedoch offenbar schon in frühen Zeiten als eine Art idealistischer Form des Diesseits angesehen; es lag unter dem westlichen Horizont und wurde von Osiris regiert. Dieses Gebiet wurde von den Ägyptern als ,Binsengefilde‘ bezeichnet und war den Griechen dann als ,elysisches Gefilde‘ bekannt; es wurde in späterer ägyptischer Zeit als Gruppe von Inseln dargestellt, die man mit einem magischen Boot erreichte, und wo die von dem Gott Aufgenommenen in ewigem Frühling lebten."

Resümee: Orion Lektüre

Die irrationalen Beschreibungen sowie die Aneinanderkettung von Unkenntnis der Ägyptologie-, Mathematik- und Physikkunde kann man nicht resümieren, und wir halten uns an die Worte von Prof. Dr. Mark Lehner von der Universität Chicago:

"Auf dem Feld der Archäologie glauben sich viele Dilettanten und New-Age-Jünger auf den Spuren einer verlorenen Zivilisation von Fremden, ja von "Göttern", ohne auf die wirklichen Menschen hinter dem Vorhang der Zeit zu achten und ohne sich mit dem Stoff zu befassen, der für die "orthodoxen" Wissenschaftler überhaupt die Grundlage ihrer Auffassung darstellt!!"

Fleischverwesung - Strahlenmystik

Eine der häufigsten Fragen in unserer Pyramidenausstellung war, weshalb die Fleischverwesung in den Pyramiden nach kurzer Zeit aufhört.

In diesem Zusammenhang wiederholen sich seit Jahren Fernsehsendungen, in denen gezeigt wird, wie bei einem Fleischstück unter einem pyramidenförmigen Behälter nach einiger Zeit die Verwesung aufhört. Hier wird dem Betrachter suggeriert, daß dies phänomenal sei, im Zusammenhang mit der pyramidenförmigen Abdeckung stehe und die Pharaonen ihre Bauweise danach konzipiert hätten.

Für diesen chemischen Vorgang gibt es eine simple Erklärung, die sich mit jeglichen Gefäßformen demonstrieren läßt. Die Verwesungsgase, die leichter als Luft sind, steigen zum Oberraum des Behälters und verdrängen den Sauerstoff. Wenn die Verdrängung am tiefsten Punkt des oberen Fleischstücks angelangt ist, hört die Verwesung des oberen Fleischstücks auf, da kein Sauerstoff, der für die Verwesung nötig ist, mehr vorhanden ist. Das untere Fleischstück ist weiterhin der Verwesung preisgegeben, da hier noch genügend Sauerstoff zur Verfügung steht.

In der Physik ist keine physikalische Strahlung bekannt, die sich gebündelt durch Gebäude umlenken läßt. Gewisse Strahlen werden durch Magnete so stark umgelenkt, daß man sie in einem Ring kreisförmig in Bewegung hält. Der größte Magnet, die Erde, erzeugt mit seinem Magnetfeld eine Kraft, welche die Sonnenstrahlen in gekrümmten Bahnen an der Erde vorbeilenkt. Die bekannteste Umlenkung ist die Brechung eines Lichtstrahls im Wasser.

Die Pseudowissenschaftler möchten uns mit schön dargestellten Bildern den Eindruck vermitteln, daß es eine natürliche Strahlung gibt, die stärker ist als die Strahlung einer Neutronenbombe und Felsgestein durchdringt, das stärker als 200 m ist, durch die Luftschicht eine Energiereflexion - um das schöne Wort der Autoren zu verwenden - an der Außenfassade der Pyramide erzeugt, eine Reflexion, die an jeder Stelle einen anderen Reflexionswinkel hat und dann gemeinsam in die Grabkammer reflektiert, aber an den übrigen Pyramidenseiten einen anderen Reflexionswinkel erzeugt, da die Grabkammer nicht in der Pyramidenmitte liegt.

(Es stellt sich die berechtigte Frage, warum man Albert Einstein diesen Entdeckern bei der Verleihung des Nobelpreises der Physik vorgezogen hat.)

Nur bei der Cheops-Pyramide wurde die Grabkammer nach oben gelegt, da dies durch die bauliche Konzeption erforderlich war. Zum ersten Mal wurden die Verriegelungsblöcke für den oberen Gang mit ins Bauwerk genommen und in der großen Galerie gelagert. Somit konnte die Grabkammer nur oberhalb des letzten Verriegelungsblockes gebaut werden.

Resümee: Fleischverwesung - Strahlenmystik

Das Interesse der Jugendlichen, die während unserer Pyramidenausstellung Fragen über Mystik in bezug auf den Pyramidenbau gestellt haben, war sehr groß. Erschreckend war jedoch die Tatsache, daß einige Lehrer der Meinung sind, daß der Pyramidenbau nur aufgrund der einschlägigen Mystik möglich war. Auf Thesen, wie z.B. diejenige, derzufolge Raumfahrer beim Pyramidenbau geholfen haben, kann nicht geantwortet werden, da es sich hierbei um eine Glaubenssache handelt. Wenn sich jedoch Thesen gegen jegliches Chemie-, Mathematik- und Physikverständnis sowie gegen die wissenschaftliche Archäologie richten, sollte man Auszubildende konsequent zu eigenem Denken anleiten, insbesondere da im heutigen schnellebigen Computerzeitalter die Logik verkümmert.

Abschlußresümee: Pseudo-Wissenschaft

Es stimmt uns traurig, daß für solch ein irrationales Gedankengut enorme finanzielle Mittel sowie ein großer Arbeitsaufwand investiert werden, wo dagegen gleichzeitig die deutschen Archäologen in Ägypten kaum Unterstützung erhalten, im Gegensatz zur französischen Mission z.B.

Hier sei auf ein anstehendes Projekt des Deutschen Archäologischen Institutes in Kairo aufmerksam gemacht. Das DAI-Kairo beabsichtigt, im Inneren und im Bereich der Knick-Pyramide wissenschaftliche Ausgrabungen durchzuführen. Die Ausgrabungen und Restaurierungsarbeiten sind in naher Zukunft vorgesehen, welche von uns tatkräftig und ehrenamtlich unterstützt werden. Nicht nur, daß mit diesen Arbeiten die Bauwerke für die Nachwelt erhalten bleiben, außerdem wird den Menschen vor Ort, die in wirtschaftlicher Not sind, durch diese Arbeitsbeschaffungsmaßnahme geholfen.

Arnold Lamm


Leserbriefe aus der Ausgabe 4/98

 

Der Beitrag enthält so viele Widersprüche, Unlogisches und Falsches, daß ich nicht umhin kann, dagegen vorzugehen.

"ungeachtet der wissenschaftlichen Forschung sprießen immer wieder krankhafte Ideen": Das wird solange so bleiben, bis die wissenschaftliche Forschung gute, glaubwürdige und vor allem beweisbare Resultate vorlegt. Im anderen Falle gerät die Forschung selbst in die Situation, eine aus öffentlicher Hand bezahlte Produzentin "krankhafter Ideen" zu sein.

Geheime Kammern und Gänge: Woher wissen Sie, Herr Lamm, daß im Alten Reich keine Gangsysteme oder Grabkammern geplant wurden? Kennen Sie die Pläne? Ob außer dem, was errichtet wurde, noch unbekannte Gänge und Grabkammern existieren, ist eine andere Frage. Selbst diese Frage können Sie nicht beantworten. Statt dessen verkünden Sie, daß "mit größter Wahrscheinlichkeit" im Alten Reich keine Grabräuber ihr Wesen trieben, und es deshalb nicht nötig gewesen sei, "Geheimgänge" zu bauen. Sie nehmen an, und mit Ihnen offensichtlich Herr Stadelmann, daß man alles nur versiegelt habe, um die Bösen Geister nicht in die Pyramiden zu lassen. Was sind "Seelengänge" im Unterschied zu anderen vorhandenen Gängen? Sind es deshalb "Seelengänge", weil sie kleiner sind? Wer sollte sich darin bewegen? Die kleine Seele des Pharaos? Warum hat man sie zugemauert oder blockiert? Damit die Seele nicht hinaus oder die Bösen Geister nicht hinein kommen? Das alles "nehmen Sie an" Nun sind Annahmen höchstens Voraussetzungen einer wissenschaftlichen Arbeit, aber nie deren Ergebnis. [...] Ich kenne einen Ausspruch von Herrn Stadelmann, den er im Zusammenhang mit der Spekulation um den Gang aus der Königinnenkammer der Cheopspyramide tat: "Dieser Gang sei nichts anderes als ein Seelengang für den Pharao, damit seine Seele hinzukäme." Aus der Königinnenkammer? Der Gang war verschlossen. Mit einem Stein! Wenn die Pharaonenseele durch diesen Stein dringen konnte, kann sie es auch durch den Rest der Pyramide! Wie steht es mit dieser "krankhaften" Logik?

Nachdem 120 Jahre lang in einer chaotischen Zeit wahrscheinlich das Volk die Pyramiden ausraubte, baute man die nächsten Pyramiden gleich ohne Verriegelungsblöcke und Fallsteine. Sicher wissen Sie nichts, Sie wissen es nur wahrscheinlich. Warum raubte das Volk? Das Volk unter Anleitung oberster Räuber?

Erst Amenemhet III. baute in Hauwara - "nachdem die Pharaonen mit ihren Untertanen zu einer Staatseinheit" zusammenwuchsen - wieder Gangblockierungen ein. Unter der Annahme, daß des Amenemhet III. Volk unter die Pyramiden kroch, um zu rauben, hat er es ihnen mit Richtungsänderungen schwerer gemacht! Hier wurde nicht gemauert, sondern Bergbau betrieben. Da kann man nicht Fallsteine einbauen, sondern muß sie mit Luft und Paßsitz aus dem Felsen herausarbeiten! Das geht aus Ihren Bildern nicht hervor. So, wie es dargestellt wurde, geht es nicht. (Vielleicht gibt es bessere Darstellungen, die ich nicht kenne, die meine Meinung widerlegen). Im Bergbau ist ein Blindschacht ein solcher, der untertags verschiedene Stollen verbindet, also nicht nach obertags durchschlägt. Sicher meinen Sie einen Scheinschacht. Auf Ihren Abbildungen ist weder das eine noch das andere dargestellt. Es fehlt auch eine wissenschaftliche Erklärung, warum die Gänge abgeknickt wurden und Richtungsänderungen aufwiesen. Es wäre ja interessant zu wissen, ob das alles etwas genützt hat! Diese Technik sollte die Ruhe des Pharaos schützen. Sollte! Hat sie es?

[...] Man braucht keine phantasievollen Thesen zu erfinden, um die simplen Richtungsänderungen der Gänge als Schutz gegen die Räuber als irrational zu erkennen!

Sie, Herr Lamm, kennen die Baukonzeptionen der Pharaonen (und vor allem ihrer Baumeister) mit Sicherheit nicht, aber Sie nehmen das als Beweis dafür, wie schlicht und einfach diese Menschen gedacht haben. Man sollte andere Leute, auch wenn sie schon 3000 Jahre tot sind, nicht für dümmer halten als sich selbst.

"Es wird der Mehrzahl der Ägyptologen weiter mit pauschalen Behauptungen unterstellt, daß das Gesicht des Sphinx mit Chephren identisch sei. Wie kann dies der Wahrheit entsprechen, wenn die Ägyptologen noch nicht einmal wissen, wer ihn erbaut hat."

Genau 20 Zeilen weiter schreiben Sie dann:

"Das würde bedeuten, daß der Sphinx entweder von Chephren oder Mykerinos geschaffen wurde. Nach Lage und Ausrichtung des Sphinx zu urteilen, war mit "größter Wahrscheinlichkeit" Chephren der Erbauer."

Wessen Meinung sollte gelten? Ihre, oder die der Ägyptologen, die - nach Ihren Worten - keine Ahnung haben?

[...] - Jeder Stern, auch die Sonne, hat jeden Tag eine obere und eine untere Kulmination. Bei der oberen stehen die Sonne oder der Stern genau im Süden.

Man braucht nicht unbedingt die Winkelhalbierenden im Norden zu finden. Das lag schon damals dem Süden genau gegenüber [...] Das hat auch gar nichts mit Mercatorprojektion zu tun. [...]

Ich kenne das Schaubild, auf dem eine Person den höchsten Sonnenstand feststellt, nicht. Hoffentlich ist es nicht das auf Seite 44 abgedruckte. Das ist dilletantischer Unsinn! Sie suchen eine Person, die den höchsten Sonnenstand, die Nord- und Südrichtung ermittelt, dabei nur ausgerüstet mit einem Stock. Ich bin diese Person! Ich habe noch Wünsche: Der Stock sollte gerade sein, und ich brauche noch ein Pendellot und eine ebene Fläche. Dann bestimme ich Ihnen im Verlauf von 6 Stunden die Nord - Südrichtung. [...] Dazu braucht man keine Kenntnis der Koordinaten usw. Um aber genau arbeiten zu können, sollte man Winkel halbieren können. Wer das nicht kann, sollte keine Exkursionen in die Wüste machen, auch nicht in die libysche, ohne einen guten Kompaß oder ein GPS mitzunehmen.

Was soll diese Häme [...], daß ein Dr. Ing. des Maschinenbaues -sic!- das nicht vermochte. Wenn dieser Herr sich nicht mit Astronomie oder Sonnenuhren beschäftigt hat, wird er die einfache, sog. indische Methode, nicht kennen. Aber von einem Ägyptologen, der sich mit der Ausrichtung von Pyramiden beschäftigt, sollte man das verlangen können. [...]

Zum Thema Fleischverwesung:

[...] Verwesung ist die Zersetzung von Eiweißen unter Mitwirkung von Bakterien und Sauerstoff. Es entsteht im wesentlichen Kohlendioxyd. Dieses, weil schwerer als Luft, sammelt sich am Boden des Behälters. Folglich dürfte das untere Fleischstück nicht verwesen! Also, was Sie da formulieren, ist eine glatte Falschmeldung.

In der Physik sind (elektromagnetische) Strahlen bekannt, die sich durch prismatische Textkörper (Gebäude) umlenken lassen. Die Linsen von Infrarotkameras bestehen aus Selen, einem Festkörper. [...]

"Die Grabkammer der Cheopspyramide wurde nach oben gelegt, da dies durch die bauliche Konzeption erforderlich war." Sie kennen die Konzeption? Dann sind Sie der einzige, der sie kennt.

Das ist die nämliche Logik wie diese: Der Schornstein wurde 300 m hoch gebaut, weil es die Zeichnungen so vorsahen! Damit niemand auf den Gedanken kommt, es gäbe einen sachlichen Grund: Die Abgase breit zu verteilen.

Der Pharao hätte wohl auch in der Königinnenkammer genügend Platz gehabt. Mich würde schon interessieren, was Ihre Konzeption dazu sagt. [...]

Dr. Dr. D. M. Richter, Dresden

*****

"sprießen ungeachtet der wissenschaftlichen Forschung immer neue krankhafte Ideen": Neue Herangehensweisen an das Thema Pyramiden als krankhaft zu bezeichnen, läßt darauf schließen, daß der Autor keinerlei fundierte Argumente hat, diese Theorien zu widerlegen. [...]

"Im Alten Reich wurden keine geheimen Gangsysteme oder versteckten Grabkammern in den Pyramiden geplant": Hier widerspricht sich Herr Lamm selbst. Er stellt Behauptungen auf, die er als Fakten verkauft, um im nächsten Satz diese nur noch als Wahrscheinlichkeit abzutun. Da die Anlage der Pyramide und der Pharao als heilig bzw. gottgleich galten, ist ein Eindringen von "Bösen Geistern" von vornherein auszuschließen. [...]

"wie schlicht und einfach diese Menschen gedacht haben": Die "schlichte und einfache Denkweise" dieser Menschen scheint Herrn Lamm wohl zu überfordern, denn sonst hätte er die Wahrheit über die Pyramiden wohl längst herausgefunden. [...]

"daß sie die Himmelsrichtungen nicht gekannt haben": Mit Gewißheit zu behaupten, daß die Ägypter die Himmelsrichtungen nicht kannten, ist wohl mehr als zweifelhaft. Außerdem gibt es dafür genau so wenig oder viele archäologische Beweise wie für die Feststellung, daß die Pyramiden auf bewegte Sternbilder ausgerichtet sind. Herr Lamm widerspricht sich in diesem Absatz unentwegt. [...]

"In der Physik ist keine physikalische Strahlung bekannt": Daß der Physik heutzutage diese Strahlung nicht bekannt ist, sagt wohl nichts darüber aus, daß sie nicht existiert. [...]

Dirk Klipphahn, Dresden

(Beide Stellungnahmen wurden von der Redaktion gekürzt)


Ausgabe 1/99

Stellungnahme zu den Briefen zum Beitrag "Pyramidenmystik" von Dr. Dr. D.M. Richter u. Dirk Klipphahn.

Auszug des Brieftextes: "Das Magnetfeld der Erde lenkt die Sonnenstrahlen nicht an der Erde vorbei. Die Sonnenstrahlen werden in der Lufthülle zur Erde hin gebrochen. "

Kommentar: Dr. Ing. Arnold Lamm (Maschinenbau)

Wenn die Schreiber ins Detail gehen, ist es wichtig, nicht nur in der Philosophie, sondern auch in der Technik in einer einheitlichen Sprache zu sprechen. ‚Sonnenstrahlen‘: Welche Strahlungsart meinen sie und welche Frequenz bzw. Wellenlänge? Ich nehme einmal an, sie meinen die kurzwellige Strahlung des sichtbaren Lichtes. Hier haben sie recht, sonst würden wir die azurblaue Färbung des Himmels nicht sehen. Daß es sich um eine andere Strahlung handeln muß, die angeblich in der Lage sein soll, 100 m starke Gesteinsmassen zu durchdringen, wird jedem noch so hartnäckigen Verfechter der Strahlungsmystik in der Grabkammer klar, wenn er für seine Sicht eine Taschenlampe benutzen muß. Eine der vielen Strahlungsarten ist die Sonnenstrahlung, die in der Ionosphäre (oberste Schicht der Atmosphäre), bedingt durch das Magnetfeld der Erde, umgelenkt wird. Ich nehme einmal an, daß es eine Strahlung gäbe, die mehr als 100 m starke Gesteinsformationen bis zur Grabkammer überwinden kann. So müßte sich beim Aus- bzw. Eintritt der Strahlung, wie Sie es auch immer betrachten möchten, an jeder Stelle ein anderer Ein- bzw. Ausgangswinkel einstellen, um die Grabkammer zu treffen. -Utopisch-

Auszug des Brieftextes "Verwesung ist die Zersetzung von Eiweißen unter Mitwirkung von Bakterien und Sauerstoff. Es entsteht im wesentlichen Kohlendioxyd. Diese, weil schwerer als Luft, sammelt sich am Boden des Behälters."

Kommentar: Dr. med. Wolfgang .Piehl (Innere Medizin u. Kardiologie)

Bei der Verwesung, der Zersetzung von Eiweißen und Fetten durch körpereigene Fermente (Autolyse) und/oder körperfremde Enzyme (von Bakterien und Pilzen) kommt es zur Bildung von verschieden strukturierten Fett- und Aminosäuren. Schwefelhaltige Gruppen ergeben mit Wasser den übelriechenden Schwefelwasserstoff. Andere Verwesungsprodukte sind Gase wie Methan, Butan, Heptan, Oktan u.a.m. Die Autoren gehen mit in der organischen Chemie wohlbekannten Reaktionen recht leichtfertig um und machen aus einer Grabkammer einen Gärkeller, ihnen sei etwa die Monographie "Identifikation" von Prof. H. Hunger (ISBN 3-540-08827-X) empfohlen, in der unter gerichtsmedizinischem Aspekt diese Thematik. ausführlich erörtert wird.

Auszug des Brieftextes: "Wessen Meinung sollte gelten? Ihre oder die der Ägyptologen, die - nach Ihren - Worten - keine Ahnung haben?"

Kommentar: Rainer Hülsheger (Lehrer)

Offensichtlich haben Sie nicht gründlich die entsprechend Fachliteratur gelesen bzw. sind nicht wie wir mehrmals in Ägypten vor Ort gewesen. So fußen unsere Theorien selbstverständlich auf den wissenschaftlichen Forschungen von Generationen von Ägyptologen, die jedoch auch wie wir Jahrtausende von dem Wissenschaftsgebiet "Antikes Ägypten" entfernt waren bzw. sind und infolgedessen auf Grund des bruchstückhaften Wissens oft auf Interpretationen angewiesen waren bzw. sind. Nicht anders verfahren wir, wenn wir trotz genauer wissenschaftlicher Untersuchungen die Lückenhaftigkeit unseres Wissens erkennen und diese Lücken durch Interpretationen und Meinungen, die wir auch als solche kennzeichnen, zu überbrücken versuchen.

Wenn die Strahlenmystiker glauben, daß es eine unbekannte Strahlung gibt, die im Pyramideninneren Reaktionen erzeugt, wird dieser Glaube von uns nicht in Frage gestellt, selbst wenn wir diesem Glauben nicht folgen können. Jedoch wenn aus diesem Glauben heraus Meinungen vertreten werden, die gegen jegliche Naturgesetze verstoßen, ist es wohl erlaubt, dies anzusprechen und in keiner Weise hat das mit Intoleranz zu tun.

Auszug des Brieftextes: "Sie suchen eine Person - und wären dankbar, wenn Sie diese fanden - die den höchsten Sonnenstand, die Nord- und Südrichtung ermittelt, dabei nur ausgerüstet mit einem Stock. Ich bin die Person! Aber nur zur Hälfte: Ich habe noch Wünsche -. Der Stock sollte gerade sein. Ich brauche noch ein Pendellot und eine ebene Fläche."

Kommentar: Dr. Ing. Arnold Lamm (Maschinenbau)

Dürfen wir den Schreibern zusätzlich noch einen Kreisel-Kompaß oder je nach Standort einen Sextanten beistellen? Weiterhin können wir, gemäß den Forderungen der Schreiber nach einer ebenen Fläche, behilflich sein, und zwar mit der Empfehlung eines Baggerbetriebes in Kairo, der vom Fach- und Preisniveau hervorragend ist.

Aber ein Hinweis sei erlaubt: Diese müssen achtgeben und zwischen dem Gitternord, dem geographischen und dem magnetischen Nordpol unterscheiden, wie es bereits nach Meinung der Schreiber die antiken Ägypter taten. Dieser Hinweis erscheint uns wichtig, da zahlreiche Autoren, die im Konsens mit den Schreibern liegen, nicht wissen, daß es drei verschiedene Nordrichtungen gibt und zwar:

Magnetisch Nord ist die Richtung, in die sich eine horizontale frei bewegliche Magnetnadel zum magnetischen Nordpol einstellt.

Gitternord ist in topographischen Karten die Richtung, die sich durch das nach Norden ausgerichtete Gauß-Krüger-Meridian-Koordinatensystem ergibt; diese rechtwinkligen Gitterlinien verlaufen parallel zum Mittelmeridian.

Geographisch Nord ist die Richtung, in der die Längenkreise des Erdkoordinatensystems (bei Zugrundelegung des Erdellipsoids) verlaufen.

Den Erdglobus kannten die antiken Ägypter nicht. Ihre Weltvorstellung basierte auf einer Scheibe, deren Mittelpunkt sie waren. Ferner nahmen sie an, daß sich diese Erdscheibe ins Urgewässer (Nun) senkt bzw. wieder hebt und dadurch die Naturerscheinung der Nilflut bzw. das wiederauftauchende Land entstand. Durch die Annahme, daß die Erde eine Fläche sei, ist die Nordrichtung unbedeutend. Es entstand der Gedanke der Himmelsrichtungen auf die Pole bezogen erst, als die Menschheit erkannte, daß die Erde ein Globus ist.

Auszug des Brieftextes: "Mit Gewißheit zu behaupten, daß die Ägypter die Himmelsrichtung nicht kannten, ist wohl zweifelhaft."

Kommentar: Dr. Ing. Jürgen Kayser (Elektrotechnik)

Die Mathematiker Erhard Etzlaub (1462-1532), Gerhard Kremer (Mercator 1512-1594) und Karl Friedrich Gauß (1777-1855) sind die Urväter der Himmelsrichtungen. Sie erfanden eine konforme, normalachsige Zylinderprojektion der Erde, bei der sich die (als Geraden abgebildeten) Meridiane und Breitenkreise rechtwinklig schneiden. Nach den Polen zu nimmt die Verzerrung überhand, weshalb die Mercator-Projektion meist nur bis 80° nördlicher oder südlicher Breite reichen. Wegen ihrer Winkeltreue ist die Mercator-Projektion noch heute für die Navigation von Bedeutung. Davor kannte keiner die auf die Pole bezogene Richtungseinteilung, und somit konnten vor dieser Zeit Gebäude nicht nach ihr ausgerichtet werden. Deshalb kann mit Gewißheit behauptet werden, daß die antiken Ägypter die Bedeutung der Nord-Süd-Richtung nicht kannten.

Auszug des Brieftextes: "Unter Annahme, daß des Amenembet III. Untertans Volk unter die Pyramiden kroch, um zu rauben, hat er es ihnen mit Richtungsänderungen schwerer gemacht. Das geht aus Ihren Bildern nicht hervor. Vielleicht gibt es bessere Darstellungen, die ich nicht kenne, die meine Meinung widerlegen."

Kommentar: Arnold Lamm (Maschinenbautechniker)

Wie wäre es, wenn Sie in einer kreativen Phase eine eigene Zeichnung erstellen würden, die aussagekräftiger ist und die vor Ort durch eine Bauaufnahme entsteht, wobei wir Sie tatkräftig unterstützen werden.

Auszug des Brieftextes: "Das Wort Mystik sollte Herr Lamm erst nach eingehendem Studium selbiger philosophischer und religiöser Grundlagen verwenden."

Kommentar: Dr. phil. Maria Lutz (Romanistik)

Der Vorwurf des Herrn Klipphahn, Herr Lamm sei bei der Verwendung des Ausdrucks "Pyramidenmystik" nur von "exoterischen Wissenschaften" (welchen?) ausgegangen und könne deshalb die Pyramidenproblematik überhaupt nicht verstehen, weil ihm die Kenntnis der philosophisch/religiösen Uhren der Mystik fehle, bedarf einer Erwiderung:

Herr Lamm bekämpft alle pseudowissenschaftlichen und irrationalen Erklärungsversuche der offenen Probleme der Ägyptologie, Deutungen, die er in dem heute geläufigen metaphorischen Begriff "Mystik" zusammenfaßt. Er meint damit sicherlich nicht die klassische Definition, die "unio mystica", die Einung des Menschen mit der göttlichen Wirklichkeit. Fragwürdig aber bleibt, welche Bedeutung der Kenntnis dieser Mystik bei der Lösung ägyptologischer Probleme zukommen soll. Solange der Leserbriefschreiber die Antwort darauf schuldig bleibt, ist ein wissenschaftlicher Dialog nicht möglich.

Auszug des Brieftextes: "Glückauf" – "Blindschacht-Scheinschacht"

Kommentar: Dr. Ing. Dieter Nüßler (Hüttenkunde) Die Wortspielerei und die falsche Schreibweise, gepaart mit einer Unkenntnis des Untertagebaus, sind noch verzeihlich, jedoch daß die Schreiber "Glück auf" als hämische Bemerkung benutzen, ist in einem solchen Schreiben unangebracht und schlägt den Bergleuten, die bei ihrer gefahrvollen Arbeit sich diesen Gruß zurufen, ins Gesicht. Der Gruß "Glück auf" geht täglich an den in die Tiefe fahrenden Bergmann mit dem Herzenswunsch, daß er gesund wiederkehrt.

Abschlußresümee: Prof. Dr. Ing. Günter Neuwerth (Luft- und Raumfahrt)

Die ersten frühzeitlichen Schriftzeugnisse belegen die Anfänge eines gesamtägyptischen Königtums um ca. 3100 v.Chr. Im alten Ägypten gab es keine Geschichtsschreibung, wie es z.B. aus dem antiken Griechenland bekannt ist. Die ägyptische Geschichtsschreibung, die sog. Annalen, wurden zum Erhalt des Königtums und somit der Weltordnung und für Kultzwecke geschaffen. Dementsprechend verzeichneten sie überwiegend siegreiche Schlachten, religiöse Feste, und Tempelbauten, aber sie berichteten, bis auf wenige Ausnahmen, nie von Katastrophen, Niederlagen, Königsmorden oder Aufständen und in keiner Weise vom Pyramidenbau. Deshalb können die Schreiber bereits nach jedem Satz eines Ägyptologen anzweifeln, indem sie fragen- "Wo steht das geschrieben? Kennen Sie die Pläne?" Sie behalten fast immer Recht, da diese Fragen meistens nicht beantwortet werden können. Somit eröffnet sich für diese Menschen ein Tummelplatz. der Phantasien. Zum ersten Mal haben wir uns die Zeit genommen, auf solche nicht ganz ernstzunehmenden und nicht durchschaubaren Äußerungen einzugehen. Wir bitten Sie, uns in Zukunft ähnliche Schreiben nicht mehr zuzusenden, da wir sie aus zeitlichen Gründen nicht beantworten können. Sollten sich die Schreiber auch in wissenschaftlicher Weise mit dem großen Gebiet der Ägyptologie noch befassen, so würden wir uns freuen, wenn diese uns Ihre Arbeiten zugänglich machen würden. Wir sind gerne bereit, im Gegenzug unsere 600 Arbeitsseiten (Bücher "Ägyptische Pyramiden" Band 1 und 2) sowie die Vermessungsdaten, die wir vor Ort gemacht haben, bereitzustellen.

Hobby-Ägyptologen e.V., Rott


Zu den Leserbriefen von D.M. Richter & D. Klipphahn in Kemet 4/98:

Zweifellos, A. Lamms Artikel hatte ein paar holprige Stellen, die aber im Kern einfach aus den natürlichen Unwägbarkeiten in der Altertumsforschung zu erklären sind. Zudem ist Lamms Beitrag an die Gegebenheiten einer Zeitschrift gebunden, was schon aus Platzgründen eine Darlegung aller Einzelheiten unmöglich macht.

Herr Richter wirft der wissenschaftlichen Forschung vor, sie habe bisher keine "guten, glaubwürdigen und vor allem beweisbaren Resultate" erzielt.

Nun, das hat sie, und ich denke, daß derjenige, der damit nicht einverstanden ist, das in einer angemessenen Weise einfach widerlegen sollte, wenn er es kann! Leider entwickelt es sich gerade zu einer Art Volkssport, daß die Ägyptologie angefeindet wird, und wenn es dann noch um Pyramiden geht, kriegt Stadelmann seinen Teil ab. Daß Stadelmann die Gänge als Seelengänge interpretiert, kann doch nicht darüber hinwegtäuschen, daß die Anlage von Blockierungen und Gängen bestimmten "Regeln" folgen. Das ist ganz einfach eine nüchterne Beobachtung. Wenn Herr Richter diese Regel nicht anerkennt, muß er sachliche Gründe dafür anführen, nicht Stadelmanns persönliche Interpretation angreifen.

Herr Richter hat zweifellos recht, wenn er die "Richtungsänderungen" nicht einer geplanten Irreführung für Grabräuber anlasten kann. Hier besteht wahrscheinlich Einigkeit.

In Sachen Sphinx hat sich A. Lamm sicher nicht widersprochen. Er schreibt zuerst, daß nicht klar ist, wer die Sphinx hergestellt hat (was gleichzeitig auf die 4. Dynastie beschränkt bleibt), und dann, daß - aus seiner Sicht - Chephren der Erbauer war. Wo ist der Widerspruch???

Die Lage der Grabkammer in der Cheopspyramide an oberster Stelle hat zweifellos seine Gründe in der Konzeption. Allerdings nicht in der baulichen, sondern in der semantischen. Auch in Meidum und zweimal in Dahschur liegt die Grabkammer in oberster Lage. Das ist wieder eine ganz nüchterne Beobachtung - nicht mehr, aber auch nicht weniger.

Die Königinnenkammer konnte niemals Grabkammer sein, weil die Mittelkammer, die durch ihre Achslage leicht zu identifizieren ist, in keiner Pyramide Grabkammer war. Ergo: Wieder eine Beobachtung. Ergo 2: Die Ägyptologie hat die notwendigen Bedingungen einer Altertumsforschung erfüllt. Sie beobachtet und zieht daraus Schlußfolgerungen. Was sonst sollte sie tun???

Die Regeln, die sich aus diesen Beobachtungen ergeben, könnte man leicht als "grammaire de la pyramide" bezeichnen (in Anlehnung an Derchains "grammaire du temple").

D. Klipphahn denkt, daß die neuen "krankhaften Ideen" nicht widerlegt werden könnten. Tatsächlich trifft zu, daß sie alle längst widerlegt sind! Der Stand der allgemeinen Information dazu ist aber sehr schlecht.

Natürlich haben die Ägypter die Himmelsrichtungen gekannt (das ist wirklich eine sonderbare Aussage!).

Nun hoffe ich, daß es noch weitere Meinungen dazu gibt.

Rainer Lorenz, per E-Mail