Unbekanntes Ägypten. Oasen und Wüsten

Photo-Ausstellung mit Werken von Rudolf René Gebhardt im Gebäude der Ägyptischen Botschaft in Berlin-Tiergarten vom 13. Juli bis 31. August 2005

"Und dennoch lieben wir die Wüste. Zuerst ist sie nur Leere und Schweigen, denn sie gibt sich nicht zu Liebschaften von einem Tage her."

(Antoine de Saint-Exupéry)

Dünen-Stilleben

Der 1942 im oberschwäbischen Ravensburg geborene Kunstphotograph Rudolf René Gebhardt studierte Graphikdesign und Photographie an der Hochschule der Künste in Berlin. Seit 1974 lebt und arbeitet er in Stuttgart als freischaffender Künstler im Bereich Photokunst und ethnologisch/archäologische Bilddokumentation. Er bereiste zunächst viele Länder der Erde, bis er sich 1980 auf Kreta und Ägypten spezialisierte, wobei gerade dem Land am Nil sein großes Interesse galt und es zu seinem Hauptarbeitsgebiet wurde. Zahlreiche Ausstellungen und Buchpublikationen zeugen von seinem kreativen Schaffen.

Domino-Spieler in el-Qalamun, Oase Dachla

Zwischen 1983 und 2002 unternahm Gebhardt zahlreiche Alleinexpeditionen - seit 1990 mit dem Geländewagen - in die Wüstengebiete südlich von Farafra, Dachla und Charga sowie in Richtung Ain Dalla, wobei ihm jeweils eine der Oasen als Ausgangspunkt für seine Wüstenabenteuer diente. Mehrere Tage lang bis zu einer Woche blieb er dort, schlief in einem kleinen Zelt und erkundete die Umgebung. Um sich ganz der Faszination der westlichen Wüste hinzugeben, verzichtete er dabei bewusst auf ein GPS - nicht aber auf seine Photokamera, dem Medium seines Schaffens, mit der er auf seinen Wanderungen wunderschöne Motive - faszinierende Wüstenformationen, Schattenspiele von Sanddünen, Wüstenpflanzen, prähistorische Felsmalereien und Ritzzeichnungen, aber auch Tempel und andere Altertümer - festhielt. Darüber hinaus gehören auch eindrucksvolle und lebendige Aufnahmen aus den Oasen und dem Alltagsleben ihrer Bewohner zu dem künstlerischen Repertoire des Photographen.

Prähistorische Felsmalerei, Wadi Sura, Gilf el-Kebir

Das Zitat von Antoine de Saint-Exupéry spricht Rudolf René Gebhardt aus der Seele, denn auch er war von Anfang an von der Wüste so tief beeindruckt, dass er ihren Ruf vernahm und sich ihr zu stellen bereit war. Während seiner zahlreichen einsamen und auch risikoreichen Aufenthalte in der einzigartigen Welt der Westwüste Ägyptens entwickelte er ein zunehmend tieferes Verständnis und eine innige Beziehung zu dieser Landschaftsform, eine Liebe, die aus allen seinen Photos spricht.

In der Weißen Wüste, Oase Farafra

Dabei ist es gerade das Medium der Schwarzweißphotographie, die das Wesentliche der Motive betont und den Werken einen nahezu graphischen Charakter verleiht, das Gebhardts künstlerischem Ideal einer sachlichen und klaren Ästhetik gerecht wird. Durch das photographische Medium spricht die Wüste zum geneigten Betrachter und vermag ihm ihre Geheimnisse zu offenbaren.

Der Photograph in seinem Camp

Neben dem künstlerisch-ästhetischen ist aber auch der dokumentarische Wert von Gebhardts Photos nicht zu unterschätzen, denn sie zeugen nicht nur von einer faszinierenden, scheinbar noch unberührten Natur der Oasen und Wüstenregionen, sondern sind zugleich Dokumente einer bereits vergangenen bzw. im Untergang begriffenen Kultur. Denn Gebhardt verfügt über geologische und archäologische Kenntnisse, die es ihm ermöglichen, Spuren prähistorischer und frühzeitlicher Besiedlungen in den Wüstenregionen sowie deren künstlerische Hinterlassenschaften wie z.B. die faszinierende Felsbildkunst zu entdecken. Diese hält er mit Hilfe seiner Kamera fest und dokumentiert sie photokünstlerisch, ebenso wie die Spuren der noch heute in der Sahara lebenden Volksstämme, deren Traditionen und Lebensgewohnheiten zunehmend davon bedroht sind, von der sog. modernen Zivilisation überlagert zu werden.

Viele dieser ausdrucksstarken Photographien sind in einem gleichnamigen, eindrucksvollen Bildband zusammengestellt, von denen ein repräsentativer Querschnitt bei der Ausstellung in der Ägyptischen Botschaft präsentiert wird.

Der Bildband kann per SMS unter 0179-4683663 bestellt werden.

Gabriele Höber-Kamel