Die Galabija, das traditionelle
Männergewand der Ägypter

In den Städten und insbesondere in Gegenden mit hohem Touristenaufkommen wird sie immer seltener, in den ländlichen Gegenden hingegen gehört sie zum alltäglichen Straßenbild: die Galabija, das traditionelle Männergewand der Ägypter. Besonders deutlich wird dieser Gegensatz zum Beispiel, wenn man mit der öffentlichen Fähre von Luxor zur Westbank übersetzt: hier die Städter in "westlicher" Kleidung mit langer Hose und Hemd, die auf der anderen Seite Besuche machen, von der Arbeit kommen oder Geschäften nachgehen wollen, dort die Männer aus den Dörfern westlich des Nils, die in die Stadt wollen. Dabei ist es vor allem die jüngere Generation, geprägt durch Fernsehen und den Umgang mit Touristen, die beständig darum bemüht ist, an europäische Markenkleidung zu kommen. Dabei ist eine Galabija im heißen Klima Ägyptens mit Sicherheit angenehmer zu tragen als die beengende Garderobe der Menschen in den kühlen Nordländern.

Abb. 1: Verschiedene Arten ägyptischer Galabijen (aus: Andrea B. Rugh, Reveal and Conceal. Dress in Contemporary Egypt, Kairo 1987, S. 115)

Eine Galabija ist ein langes, hemdartiges Gewand ohne Kragen, mit Brustschlitz, weiten Ärmeln und weitem Rock. "Moderne" Versionen besitzen einen Steh- oder Hemdkragen mit Knopfleiste, Ärmel mit Manschetten, eine Brusttasche und sind gerader geschnitten.

Abb. 2: Grobe Skizze eines maschbacks

Eine große Innentasche auf der einen Seite bietet Platz für Papiere, Geld, Autoschlüssel und was man(n) sonst noch mit sich herumträgt, durch den Schlitz in der Naht der anderen Seite kann der Rocksaum gesteckt werden, wenn mehr Beinfreiheit benötigt wird. Häufig wird zu diesem Zweck aber auch einfach der hintere Rocksaum zwischen den Beinen nach vorne hochgezogen und mit den Zähnen festgehalten.

Die Farbe und Stoffqualität der Galabijen variiert je nach Jahreszeit und beruflicher Tätigkeit des Trägers. Im Winter finden sich häufiger dunklere Farben wie Grau, Braun oder ein dunkles Erika, die Stoffqualität ist eine wesentlich dickere. Aber auch mehrere übereinandergezogene Galabijen oder ein untergezogener Pullover erfüllen ihren Zweck und wärmen bei kühlen Temperaturen. Die Sommergalabijen sind wesentlich dünner und meist heller. Altweiß, Hellbeige und Hellblau sind bevorzugte Farben, daneben kommen aber z.B. auch Grüntöne vor. Diese Galabijen werden vor allem von Männern getragen, die "repräsentieren" oder "saubere" Arbeiten verrichten, bei Berufen, die mit Dreck verbunden sind, wie etwa Mechanikern oder Schuhputzern, herrschen auch im Sommer eher die Winterfarben vor.

Da die Galabija von einem großen Teil der Bevölkerung getragen wird, gibt es zahlreiche Geschäfte und Dienstleistungen, die mit ihr verbunden sind.

Abb. 3: Das Annähen der Borte mit einem maschback

In touristisch erschlossenen Bereichen sind es zumeist Läden mit fertigen, industriell hergestellten Touristengalabijen, deren Nachthemdschnitt wenig mit der "echten" Galabija zu tun hat. Daneben werden hier auch die moderneren, hemdartigen Galabijen verkauft.

Eher im Umfeld der einheimischen Bazare angesiedelt sind die Stoffgeschäfte, Schneidereien und fliegenden Händler. So werden die Stoffe zum Nähen der Gewänder häufig in vorgeschnittenen Bahnen angeboten. Geht man morgens früh auf den Bazar, sieht man oft die Händler, ein Tuch auf dem Boden ausgebreitet, wie sie die gefalteten Stoffbahnen fein säuberlich leicht versetzt Kante über Kante stapeln, damit der Kunde leichter unter den verschiedenen Farben auswählen kann. An der Fährstation in Luxor, Westbank, stößt man z.B. auch auf fliegende Händler, die ein großes, schweres, in ein Tuch geschnürtes Bündel über die Schulter geworfen haben und dies bei Bedarf öffnen, um dem potentiellen Kunden die Stoffbahnen zu präsentieren.

Die Schneidereien fertigen die Galabijen auf Wunsch des Kunden - in einem Tag - oder auf Vorrat zum eigenen Verkauf oder für andere Geschäfte. Unvermeidliches Arbeitsgerät ist die Nähmaschine, in vielen Fällen die gute alte Singer-Nähmaschine. Selbst wenn man sich auf einheimischen Bazaren in Orten bewegt, in die kaum Touristen gelangen und in denen die ältere Bevölkerung weder Englisch, Französisch noch Deutsch spricht, weisen die Schneider, wenn sie eines Fremden ansichtig werden, stolz auf ihr Arbeitsgerät und sagen breit lächelnd und bedeutungsschwanger in gebrochenem Deutsch: "Singa-Nähmaschine."

Abb. 4: Ägypter, bekleidet mit einer Galabija nach traditionellem Schnitt

Sind schließlich die Nähte der Galabija per Maschine und Hand geschlossen, folgt ein weiterer Arbeitsgang: Manche Gewänder bekommen nämlich eine Borte als Zier- bzw. Stoßkante an die Säume genäht. Dazu muß die jeweilige Stoffkante straffgezogen, die Borte angehalten und gleichzeitig festgenäht werden, ein Unterfangen, das mit nur zwei Händen unweigerlich zum Scheitern verurteilt ist.

Hier tritt ein Spezialgerät in Aktion, ein maschback, bestehend aus einem Stoffstreifen mit einer Schlaufe an dem einen und einem Metallhaken am anderen Ende. Abbildung 3 zeigt eine Frau beim Nähen mit dem maschback. Sie sitzt auf einem kleinen Hocker, die rechte große Zehe steckt in der Schlaufe des maschbacks, der Haken steckt in der Galabijakante. Mit der linken Hand wird gegengehalten, die Stoffkante strammgezogen und die Borte festgehalten, während mit der rechten Hand die Nähnadel geführt wird.

Ist der letzte Faden vernäht, kommt der letzte Arbeitsschritt, das Bügeln. Um den Stoff makellos zu glätten, muß er beim Bügeln angefeuchtet werden. Dazu wird nicht selten einfach ein Schluck Wasser in den Mund genommen und die Feuchtigkeit durch die aufeinandergepreßten Lippen gesprüht.

Fertig ist die Galabija, die schon bald von ihrem neuen Besitzer auf dem Bazar ausgeführt werden wird.

Dr. Cordula Brand, Bochum